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Zum Impfen in die Apotheke?

Hürden abbauen. In anderen Ländern dürfen sich gesunde Menschen von Apothekern impfen lassen – in Österreich fehlt dazu noch die rechtliche Befugnis. Das sollte sich eigentlich ändern.

Das heimische Impfwesen ist eindeutig verbesserungswürdig“, ist Mag. pharm. DDr. Philipp Saiko, Präsident der Wiener Apothekerkammer und Inhaber der Apotheke Trillerpark, überzeugt. 

„Da haben wir uns wirklich ein Luxusproblem angezüchtet. Wir schöpfen aus dem Vollen, haben alles, was wir brauchen: das Geld, die Impfstoffe, einen ausgezeichneten Impfplan, und trotzdem sinkt die Impfquote.“ Mag. pharm. DDr. Philipp Saiko

Mit schwerwiegenden Folgen: In Österreich wurden heuer Dutzende Masernfälle bekannt, im Vorjahr waren es 77. Gemeinsam mit Kollegen würde Philipp Saiko gerne neue Wege gehen und plädiert für eine Impfberechtigung für Apotheker in Österreich: „Das würde die Impfquote positiv beeinflussen und zugleich eine Kompetenzerweiterung für die Apothekerschaft darstellen.“ Saiko regt an, dass einige Impfstoffe von der Rezeptpflicht befreit werden, vor allem periodisch aufzufrischende Impfungen gegen Pneumokokken, Grippe oder FSME. Auch Auffrischungsimpfungen nach dem 15. Lebensjahr gegen Hepatitis, Diphterie und Tetanus.

Andere Länder als Vorbild

In Irland beispielsweise kann man sich gegen die Grippe bereits seit fast zehn Jahren in Apotheken impfen lassen. In Großbritannien ist eine Impfung ohne Terminvereinbarung seit drei Jahren möglich. 2018 haben bereits mehr als 1,3 Millionen Menschen dieses Angebot in Anspruch genommen. Auch die Schweiz bietet diese Dienstleistung in mehr als 500 Apotheken in 19 Kantonen an, was so gerne angenommen wird, dass der Impfstoff im Winter sogar schon knapp geworden ist.

„Wir können uns an Ländern wie der Schweiz durchaus ein Beispiel nehmen“, sagt Philipp Saiko. „Bei uns in Österreich muss man sich zuerst vom Arzt ein Rezept holen, dann mit dem Rezept in die Apotheke gehen, den Impfstoff holen, wieder zurück zum Arzt gehen und dort warten – das ginge auch unkomplizierter und schneller.“ 

Doch noch spricht sich die Ärzteschaft gegen den Plan aus. „Die Ärzte fürchten, dass ihnen etwas weggenommen werden könnte, und argumentieren unter anderem damit, dass es den Apothekern am nötigen Wissen fehle“, meint Saiko. „Natürlich müssten die Pharmazeuten, wie in den angeführten Staaten, eine spezielle Ausbildung absolvieren. Doch was in anderen Ländern vorzüglich klappt, sollte auch bei uns kein Problem sein. Wir Apotheker sind jedenfalls dazu bereit.“

© Titelfoto: Reinhard Lang, Text: Patricia Streuer