Sehenswert

Arzneien und Tinkturen seit über 700 Jahren

Die Franziskanerapotheke in Dubrovnik soll im Jahr 1317, dem Gründungsjahr des Klosters, eröffnet worden sein. Sie ist die drittälteste heute noch bestehende Apotheke der Welt. 

Anfangs war die Ljekarna Male braće (Apotheke der Minderbrüder, kroat.) nur für die Mönche des mitten in der Altstadt von Dubrovnik gelegenen Franziskanerklosters gedacht. Doch mit der Zeit begannen sich auch die Stadtbürger für die Arzneien, Tinkturen und Elixiere, die da hinter Klostermauern zusammengemischt und -gebraut wurden, zu interessieren. Denn einiges davon hörte sich tatsächlich vielversprechend an: Neben den üblichen Heilmittelchen gab es auch solche, die ewige Jugend oder ein besseres Gedächtnis verhießen, ja sogar den ehelichen Frieden wiederherzustellen versprachen. Dergleichen wäre, funktionierte es denn, auch heute wohl noch sehr begehrt. Die Bürger Dubrovniks jedenfalls taten sich zusammen, um den Ausbau der Apotheke finanziell zu unterstützen und sie öffentlich zugänglich zu machen. 

Seither taten viele Generationen von Klosterbrüdern hier ihren Dienst – von mittelalterlichen Alchimisten bis hin zu akademisch ausgebildeten Apothekern. Teile des Originalinventars wie etwa Steinschüsseln, Standgefäße, Laborutensilien und medizinische Bücher sind heute im Klostermuseum zu besichtigen, ebenso auch Goldschmiedearbeiten, alte Soutanen und Gemälde. In der Klosterbibliothek sind noch zahlreiche Handbücher, pharmazeutische Formeln und „geheime“ Rezepturen aufbewahrt. 

Die Apotheke "Male brace", die heute noch in Betrieb ist, wurde im Jahr 1901 eingerichtet

Am 6. Dezember 1991 stand die historische Altstadt von Dubrovnik unter Beschuss. Das Kloster wurde starkt beschädigt, die alte Apotheke (Bild oben) und der neue Teil bleiben jedoch unversehrt.

Die „Apotheke der Minderbrüder“ (ein anderes Wort für Franziskaner) soll zeitgleich mit der Gründung des Franziskanerklosters in Dubrovnik im Jahr 1317 eröffnet worden sein. Dieses Datum ist wahrscheinlich, aber nicht historisch verbürgt, da das Gebäude mitsamt seinen Archivalien im Jahr 1667 abbrannte. Jedenfalls aber bietet die Ljekarna Male braće eine von wenigen Gelegenheiten, die Entwicklung vom einfachen „Aromatorium“ über die „Offizin“ zur modernen Apotheke so anschaulich zu erleben. 


© Text: Harald Sager, Fotos: shutterstock.com/Zvonimir Atletic, P. Stipe Nosic